25/06/2026
Die globale Bedrohungslage durch Ransomware und Datendiebstahl bleibt kritisch. In der vergangenen Woche wurden weltweit 199 Unternehmen von „Double Extortion“-Gruppen im Darknet veröffentlicht, darunter 16 Organisationen aus der DACH-Region. Die Fälle zeigen, wie präzise Angreifer klassische Detektionsmechanismen umgehen und digitale Vertrauensketten kompromittieren.
Im Malware-Bereich stach die mutmaßlich chinesische Spionagegruppe UNC6508 hervor. Über die maßgeschneiderte Schadsoftware InfiniteRed griff sie gezielt REDCap-Server medizinischer und wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen an und sammelte über Monate unbemerkt Zugangsdaten. Gleichzeitig zeigt der Android-Banking-Trojaner Rokarolla das Risiko im mobilen Bereich: Er attackiert 217 Banking- und Krypto-Apps, umgeht Google Play Protect und leitet Transaktionen durch Manipulation der Zwischenablage um.
Besorgniserregend ist auch die Taktik der Ransomware-Gruppe DragonForce. Mit Backdoor.Turn missbraucht sie das TURN-Protokoll von Microsoft Teams, um Command-and-Control-Traffic im legitimen Datenstrom zu verstecken. Dadurch erscheint die Aktivität für Security-Teams vertrauenswürdig und wird schwerer erkannt. ShinyHunters stand ebenfalls doppelt im Fokus: Beim Europarat wird ein möglicher Abfluss von 429.000 sensiblen HR- und Gehaltsdokumenten untersucht; Kodak prüft Vorwürfe über 2,2 Millionen entwendete Kundendatensätze.
Dass die Gefahr nicht nur von Ransomware ausgeht, zeigen FTC-Marktdaten für 2025. „Imposter Scams“, also Identitätsbetrug im Namen von Banken oder Behörden, verursachten 3,5 Milliarden US-Dollar Schaden und wurden zur folgenschwersten Betrugsform. Parallel nehmen klassische Man-in-the-Middle-Angriffe wieder zu: Rund 35 Prozent der weltweiten Exploitation-Aktivitäten basieren auf dem Abfangen von Daten im Transit. Damit bleiben grundlegende Schutzmaßnahmen wie der Verzicht auf öffentliche WLANs, VPN-Pflicht und konsequente Multi-Faktor-Authentifizierung unverzichtbar.
Hinzu kamen mehrere Clearnet- und Darknet-Leaks, darunter angeblich 32 Millionen Tinder-Nutzer, kompromittierte Produktions-API-Keys von Wickr Enterprise sowie Unterlagen von VNIIR-M, TakTikimmo und Autosur. Die Woche zeigt erneut: Angreifer suchen nicht nur Schwachstellen im Code, sondern nutzen gezielt Vertrauen in Protokolle und menschliche Schnittstellen aus.