11/08/2026
Wenn die KI meinen Job übernimmt, dann kann ich ja am Meer bleiben 🌴😎🍸
Schon ein verführerischer Gedanke. Allerdings ist KI nicht die erste technische Revolution im Mediendesign, die ich miterlebe: Als ich in den 90ern in der Werbeagentur meiner Eltern begann, mitzugestalten, bekamen wir Grafiken noch auf CD-ROMs zugeschickt. Heute generieren wir sie dank KI innerhalb von Sekunden. Irgendwo dazwischen kamen die Desktop Publishing Revolution (Anfangs mit Ventura, dann XPress), einen immer besser werdender Photoshop, das Internet, digitale Fotografie, Social Media uvm.
Über KI wird meist nur in Extremen gesprochen. Für die einen Verheißung: Die KI wird uns Arbeit abnehmen, kreativer und produktiver machen, vielleicht sogar einige der größten Probleme unserer Zeit lösen. Das glaube ich auch. Oder hoffe es zumindest. Wenn wir es nicht scheitern lassen und vor den geldgierigen Großkonzernen und Typen wie Trump oder Musk in die Knie gehen …
Für die anderen ist sie der Anfang vom Ende: von Berufen, von Kreativität, vielleicht irgendwann sogar von dem, was uns als Menschen ausmacht. Kann ich genauso nachvollziehen. Terminator, Matrix … Wer weiß.
Aber beide Sichtweisen greifen sicher zu kurz. Denn aufhalten können wir die Entwicklung nicht mehr. Sie ist schon längst da. Also müssen wir damit wachsen. Lernen. Uns anpassen. Etwas daraus machen. Etwas aus uns als Menschheit machen. (Ja, ich denke gerne in großen Dimensionen.)
Es würde mich jedenfalls nicht stören, wenn KI uns zwingt, wieder menschlicher zu werden. Meines Erachtens höchst an der Zeit …!
Ok, das sind riesige, philosophische Dimensionen. Zurück zum Job:
Bei jeder technischen Entwicklung im Mediendesign haben sich unsere Werkzeuge verändert. Dieses Mal ist aber noch etwas anderes passiert: Das Werkzeug beginnt selbst zu gestalten und zu »denken«..
KI ist vielleicht die erste dieser Entwicklungen, die uns so radikal zwingt, darüber nachzudenken, was eigentlich unsere »wirkliche« Aufgabe ist, wenn das Werkzeug selbst immer mehr von dem übernimmt, worin wir bislang unsere großen Stärken gesehen haben. Ich meine das eigentlich wieder in der großen Dimension der Menschheit. Aber auch im Job: Vielleicht besteht die Zukunft von uns Designer:innen einfach auch wieder ein bisschen weniger darin, nur bestimmte Programme besonders gut bedienen zu können. Nicht falsch verstehen! Als Adobe-Trainer weiß ich, dass es unglaublich wichtig ist, schnell und gut und effizient arbeiten zu können. Sonst würden wir mit der Schnelligkeit der Entwicklungen gar nicht mitkommen. Aber auf der Meta-Ebene gemeint: Die Zukunft im Mediendesign besteht aus meiner Sicht darin, im qualifizierte menschlich-fühlende Entscheidungen zu treffen. Eine Idee zu haben und etwas zu schaffen, das für einen anderen Menschen eine Bedeutung hat.
Sehr idealistisch, ich weiß. Und gar nichts Neues. Und doch ist es heute etwas anderes als noch vor zehn Jahren. Denn zum ersten Mal nimmt uns das Werkzeug nicht nur Arbeit ab. Es beginnt, uns einen Teil des Denkens abzunehmen.
Wenn eine Maschine in Sekunden hundert Bilder erzeugen kann, wird das bloße Erzeugen allein weniger wertvoll, oder?
Dann wird es (endlich) wieder wichtiger, welches Bild wir auswählen. Warum wir es auswählen. Was wir damit erzählen wollen. Wen wir damit berühren. Was ein anderer Mensch dabei fühlen soll. So sollte es selbstverständlich immer sein. Aber ist es so immer? In der gestressten Marketing-Abteilung, in der morgen früh drei Sujets fertig sein müssen? Im täglichen Kampf um Content? Im schnelllebigen Social Media? Glaub nicht!
Wenn KI immer mehr Antworten kennt, wird es wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen. Ok, das wissen wir. Zumindest drüben auf LinkedIn. Aber wenn sie immer mehr Routine übernimmt, werden Urteilskraft, Erfahrung, Neugier, Empathie und sogar Zweifel wertvoller. Gerade der Zweifel kommt hier meist nur im negativen Kontext … Ich meine ihn im positiven, »unschuldigen« Kontext. Sehr offen menschlich …
Und das ist die Herausforderung: Herauszufinden, welches Denken wir ihr überlassen wollen – und welches besser nicht.
Was übrig bleibt, könnte ausgerechnet das sein, was uns menschlich macht.