22/12/2025
Meine lieben Verwandten, Freunde und Bekannten!
Ich wollte, dass ich den Juden unter Euch ohne vorbehaltslos friedliche Chanukkatage wünschen könnte. Doch ich kann es nicht, ohne der 15 Ermordeten in Sydney zu gedenken - unter ihnen ein 10jähriges Mädchen und ein 87jähriger Shoa-Überlebender, der sich über seine Frau geworfen hatte, um sie mit seinem Leib vor den Schüssen zu schützen, von denen er dann selbst tödlich getroffen wurde. Dieser alte Jude aus Europa ist für mich genauso ein Held wie jener Moslem aus Syrien, der einen der beiden dschihadistischen Massenmörder überwätigte und zumindest in dem Moment verhindete, dass der weitere Menschen umbrachte.
Diese Mordanschläge zeigen einmal mehr, dass Juden fast nirgendwo auf der Welt sicher vor Attentaten sind - gleich welcher Herkunft und Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung die Attentäter sein mögen. Erzähle mir niemand, dass der Massenmord in Sydney eine Reaktion auf die israelische Kriegsführung in Gaza wäre. Judenfeindliche Hetze und Attentate gab es schon lange vorher. Und propalästinensische bzw. antizionistische Demonstrationen fanden ebenso wie Feste zur Feier des massenmörderischen Überfalls von Hamas-Schergen auf israelische Siedlungen am 7. Oktober 2023 bereits statt, als die Israelis noch gar nicht ihre militärische Offensive in Gaza begonnen hatten. Es ist zwar zu befürchten, dass die antizionistische Forderung nach "Globalizing Intifada" in letzter Konsequenz "Killing Jews wordwide" bedeutet; doch die Kräfte der Finsternis, aus denen die Massenmörder von Sydney und andere Unholde vor ihnen hervorgingen, brauchen keine aktuellen Gründe oder Anlässe, um ihren Blutdurst zu stillen.
Ihre Opfer sind nicht nur Juden, sondern auch Muslime und Andersgläubige - im besonderen Christen, wie die blutigen Spuren zeigen, die militante Dschihadisten von Pakistan über den Vorderen Orient bis nach Nigeria hinterlassen. Insofern haben wir bisher Glück gehabt, dass es in diesem Jahr hierzulande noch keinen Anschlag auf einen unserer Weihnachtsmärkte gegeben hat und potenzielle Attentäter, die das möglicherweise in Dingolfing und Magdeburg vorhatten, rechtzeitig festgenommen wurden.
Hoffen wir also, dass wir alle Chanukka sowie Weihnachten ohne weitere Schreckensnachrichten verbringen, das Fest mit oder ohne Pflege alter Traditionen feiern können und uns allenfalls darüber ärgern, dass manche Agitatoren auf "Decolonizing Christmas" aus sind. Ich ärgere mich übrigens nicht, dass ein paar "woke" Menschen gleich welcher Herkunft und Religion oder Weltanschauung es darauf abgesehen haben, sondern es ärgert mich, dass solche Randthemen es in die Schlagzeilen schaffen; denn das trägt nur unnötig zur weiteren Verbreitung eines Unbehagens bei, dass ohnehin immer mehr Menschen in Bezug auf Decolonizing, Cancel Culture, wokeness, Gendern und ähnliche Phänomene verspüren. Die Gefahr der Verwicklung in Kriege, das Gefühl der Unsicherheit nicht bloß auf Weihnachtsmärkten, sondern ganzjährig auf unseren Straßen sowie in Bussen und Bahnen, düstere Aussichten auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung, Sorgen um steigende Kosten für Mieten, Energie sowie Lebensmittel und um die Sicherheit künftiger Renten machen vielen Menschen schon so viel zu schaffen, dass sie sich schon allein deswegen nicht auch noch ihre Weihnachtsfreuden madig machen lassen und auch manche andere liebgewordene Gewohnheit nicht in Frage stellen wollen.
Es scheint sich eine Veränderungsmüdigkeit breit zu machen, die mit der Sehnsucht nach Verhältnissen wie in der Vergangenheit zu einer konservativen Wende in der Gesellschaft tendiert. Als alter "Achtundsechtziger" sehne ich mich persönlich gewiss nicht nach gesellschaftlichen Verhältnissen zurück, die ich aus den fünfziger und sechziger Jahren kenne; doch wenn ich bedenke, wo die meisten Bürgerlichen in den Zeiten des Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und auch noch in der Gründungszeit der Bundesrepublik standen, weiß ich es als gelernter Historiker hoch zu schätzen, dass Konrad Adenauer und die Unionsparteien damals mit ihrer konservativen Gesellschaftspolitik den allergrößten Teil des Bürgertums für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gewannen. Seitdem die CDU "mit der Zeit gehen" (O-Ton von der Leyen) will, scheint die Partei allerdings das Eingehen auf konservative Neigungen der AfD zu überlassen.
Konrad Adenauer hielt es übrigens für angebracht, sich mit einer Radioansprache an die Öffentlichkeit zu wenden, nachdem ein paar Jugendliche (N***s?) in den fünfziger Jahren jüdische Grabsteine umgeworfen hatten. In dieser Ansprache versicherte er seinen jüdischen Mitbürgern, dass die gesamte Staatsmacht hinter ihnen stände, und forderte seine nichtjüdischen Mitbürger auf: Wenn sie solche Lü**el auf frischer Tatt erwischten, sollten sie ihnen gleich an Ort und Stelle eine Tracht Prügel geben; denn das wäre eine Strafe, die sie verdient hätten.
Das ist leichter gesagt als getan - jedenfalls in der heutigen Zeit, in der man damit rechnen muss, dass deutsche Neonazis mit Baseballschlägern und junge türkische sowie arabische Muslime mit Messern bewaffnet sind. Wenn in Berlin mal wieder junge zumeist muslimisch sozialisierte Männer einen Juden verprügelt hatten, war ich in jüngeren Jahren manchmal aus Solidarität mit einer Kippa auf dem Kopf oder einer jüdischen Zeitung unterwegs und vertraute damals noch darauf, mit meinen im Antiterrorkampf-Training erlernten Fähigkeiten gut gewappnet zu sein. Ich musste diese Fähigkeiten allerdings nie zur Abwehr von Schlägen, Tritten oder Messerstichen nutzen.
Einmal erwischte mich zwar in der Bahn ein orientalisch anmutender Mann dabei, dass ich die "Jüdische Allgemeine" las, und fragte mich mit strenger Miene sowie scharfer Stimme, ob ich Jude wäre, wusste aber anscheinend nicht so recht, wie er darauf reagieren sollte, als ich weder "ja" noch "nein" sagte, sondern gelassen zur Antwort gab: "Leider nicht!" Das war eine ehrliche Antwort; denn ein otrovertierter Mensch wie ich hat nun mal den Wunsch, anders als andere zu sein und sich besonders von Menschen mit juden-, homo-, trans-, frauen- und/oder sonstiger gruppenspezifischer Gesinnung deutlich abzugrenzen.
Es wird ja viel überlegt und dementsprechend diskutiert, wie man mit durchgeknallten Neonazis und wild gewordenen Muslimen umgehen müsste. Ich fürchte, man würde es weder mit der Verhängung von Freiheitsstrafen noch mit strenger Erziehung schaffen, alle von ihnen nachhaltig zur Räson zu bringen, solange man nicht den Hormonhaushalt gewaltbereiter Männer korrigiert, um deren übermäßige Testosteronausschüttung zu reduzieren. Es mag sein, dass sich das nicht mit Artikel 1 des Grundgesetzes vereinbaren ließe; doch wer Anspruch auf Unantastbarkeit seiner Menschenwürde haben soll, der soll sich gefälligst menschenwürdig benehmen und nicht mit Waffen einschließlich seiner Fäuste, Füße oder auch seines P***s auf andere Menschen gewaltsam einwirken!
Ich will hier nicht schließen, ohne denen im über hundertköpfigen Kreis der Empfänger meiner Rundschreiben zu danken, die auch in diesem Jahr wieder mit ihren Antworten zu interessanten Diskussionen beigetragen haben und sich auch bei Kritik an einigen meiner Stellungnahmen positiv von den Hasskommentaren unterscheiden, mit denen manche Leute auf meine veröffentlichten Texte reagiert haben. Ich weiß gar nicht, wie viele Morddrohungen ich im Laufe der letzten 20 Jahre vor allem von Antizionisten gleich welcher Herkunft und Religion erhalten habe, die vermutlich glaubten, dass sie mich damit erschrecken könnten, und nicht wussten, dass man mich allenfalls erstaunen kann.
Ich hoffe, dass wir allesamt unbeschadet ins sowie durchs Neue Jahr kommen, wünsche das über diesen Kreis hinaus im Besonderen unseren Rettungskräften einschließlich der Polizei, und grüße Euch ebenso herzlich wie nachdenklich
Herwig Schafberg